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WOCHENZEITUNG FÜR DIE REGION AM OBEREN SEMPACHERSEE
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Geschichte

Als Nachfolgeprodukt des Anzeigers erschien am 5. Dezember 1925 die erste Ausgabe der Sempacher Zeitung. Foto Archiv Sempacher Woche

Der Erfolg der Sempacher Woche ist geprägt von Weitsicht und viel Mut zu Neuem

Vor 85 Jahren wurde die heutige Sempacher Woche gegründet. Doch bereits vorher gab es am oberen Sempachersee eine Lokalzeitung. Lesen Sie, warum diese nach 15 Jahren eingestellt werden musste, wie es zur Gründung der damaligen Sempacher Zeitung kam und wie sie dank weitsichtigen Entscheiden seit über 85 Jahren mit Erfolg ihre Leserinnen und Leser über die Region am oberen Sempachersee informiert.

Der Gewerbeverein Sempach und Umgebung erfüllte sich am Samstag, 24. Dezember 1910 seinen grossen Weihnachtswunsch: Nach langer Begehrlichkeit - jedoch nur eine Woche nach Vereinsbeschluss - erschien damals im Eiltempo die erste Ausgabe des «Anzeiger für Sempach, Neuenkirch und Umgebung». «Seit Jahren macht sich in der Gegend des oberen Sempachersees, besonders in unserem Gerichtskreis, das Bedürfnis nach einem unseren Verhältnissen angepassten Publikationsmittel geltend», begründete der hiesige Gewerbeverein den Entscheid für die Herausgabe eines Lokalblattes in der ersten Ausgabe.

Kundenkontakte standen im Vordergrund
Unter dem Vereinspräsidium vom Sempacher Uhrenmacher Albert Kupper entstand eine vierseitige Zeitung im Kleinformat 24 x 34 cm, die «die Erleichterung und Hebung des Verkehrs zwischen den Geschäftsleuten und ihren Kunden, den Behörden mit den Bürgern, den Vorständen der Vereine mit den Mitgliedern bezweckt». Gedruckt wurde das Lokalblatt bei der Buchdruckerei Eigensatz & Cie. in Kriens.

Auf rund drei der vier Seiten erhielten vor allem die einheimischen Geschäftsleute und Landwirte wöchentlich die günstige Möglichkeit, ihre Waren und Produkte in Inseraten anzupreisen und so Kundenkontakte zu knüpfen. Im Textteil sollten vor allem Amtsstellen, Gemeinderäte und das Gericht die Möglichkeit erhalten, ihre Kundmachungen lokal zu veröffentlichen. «Der Textteil soll aber auch der ganzen Bürgerschaft dienen, indem er sich den Fragen und Interessen unserer Ortschaften, namentlich aus dem Gebiet der Volkswirtschaft, des Gewerbes und der Landwirtschaft widmet und ferner in kleinen Nachrichten über die Vorkommnisse, besonders unserer Gegend berichtet», schreiben die Herausgeber weiter. Strengstens ausgeschlossen blieben jedoch «die Erörterung oder Behandlung von Dingen politischen oder religiösen Charakters».

Schon bald eine Auflage von 500 Exemplaren
Die Zeitung stiess bei der Leserschaft auf grosses Interesse. Bereits in der dritten Ausgabe, am 7. Januar 1911, teilten Redaktion und Verlag mit, dass es gelungen sei, die Existenzberechtigung nachzuweisen. Es wird nicht daran gezweifelt, mit dem «neuen Sprachrohr» eine Lücke zu schliessen und eine feste Position einzunehmen. Ebenso wurde bereits in dieser dritten Ausgabe der Kopf des neuen Publikations-Organs lokalhistorisch mit dem Winkelriedstein, dem Sempacher und dem Luzerner Wappen und dem Bild eines Bischofs dekoriert. Kurze Zeit später wird gemeldet, dass die Abonnentenzahl von 500 Exemplaren erreicht worden ist.

Von der Geldquelle zum Sorgenkind
Bis 1920 wurde das Format des Anzeigers kontinuierlich vergrössert und auch der Umfang wuchs zwischenzeitlich von vier auf sechs Seiten an.

Doch der Anzeiger kämpfte mit massiven finanziellen Problemen und jährlichen Defiziten. Zu schaffen machte der eingebrochene Inseratemarkt, bedingt durch die wirtschaftliche Situation, aber auch die erhöhten Druckkosten und die massive Verteuerung der Transporttaxe. 1922 waren die finanziellen Reserven aufgebraucht, das Defizit aus dem Jahre 1921 von Fr. 1143.79 hatten die Mitglieder des Gewerbevereins Sempach, Neuenkirch und Umgebung selber zu tragen. Der Anzeiger, der in seinen Gründungsjahren als willkommene Geldquelle für den Gewerbeverein diente, wurde zusehends zu seinem Sorgenkind.

«In vielen Fällen erkennt man den Wert einer Sache erst, wenn man sie verloren hat und so könnte es auch hier einmal geschehen», blickte Administrator Albert Kupper als Schreiber des Jahresberichtes 1921 besorgt in die Zukunft und machte für die Misere vor allem die Mitglieder des Gewerbevereins verantwortlich, die den Anzeiger nicht im gewünschten Masse mit Inseraten unterstützten.

Aufgrund der finanziellen Schwierigkeiten beschloss am 24. April 1922 der Gewerbeverein Sempach, Neuenkirch und Umgebung als Träger des Anzeigers auf Mitte Jahr zurückzutreten. Die Zukunft des Lokalblattes wurde einem Initiativ-Komitee überlassen. Dieses verpflichtete sich - weiterhin unter der Führung von Albert Kupper - das Lokalblatt in bisheriger Weise weiterzuführen.

Am finanziellen Horizont zeichnete sich endlich wieder ein wenig Morgenröte ab, von 1922 bis 1924 konnte sogar ein kleiner Reingewinn von 531 Franken erwirtschaftet werden.

Die Druckerei der Sempacher Zeitung in den Zwanzigerjahren. Foto Stadtarchiv Sempach

Eine neue Druckerei in Sempach
Am 1. August 1924 eröffnete Hans Schnarwiler-Kneubühler in Sempach einen Druckereibetrieb. Dieser war zuerst im Hause Friedau an der Hildisriederstrasse (vis-à-vis Hexenturm) untergebracht. 1925 konnte Schnarwiler die Parterre-Lokalitäten des Korporationshauses beim Luzernertor (heutige Räume der Winterthur-Versicherungen) übernehmen.

Es war naheliegend, dass das dem Gewerbeverein nahestehende Verlags-Komitee Hans Schnarwiler die Übernahme des Lokalblattes ermöglichte. Mit Vertrag vom August 1925 wurde die Vermietung des Druck- und Verlags-Rechtes mit Hans Schnarwiler geregelt und die Änderung des Namens des Lokalblattes auf Sempacher Zeitung bewilligt. Weiterhin behielt sich das Verlagskomitee jedoch das Recht, nicht passende Artikel oder Inserate zu korrigieren, zu kürzen oder ganz wegzulassen.

Die Geburt der Sempacher Zeitung
Am 26. Dezember 1925 wird der Leserschaft die letzte Ausgabe des Anzeigers für Sempach, Neuenkirch und Umgebung zugestellt. Bereits drei Wochen zuvor, am 5. Dezember 1925, erlebte die neue Sempacher Zeitung unter der Redaktion von Hans Schnarwiler ihre Premiere. Die zweifarbige Grossauflage - mit 2000 Exemplaren war die Sempacher Zeitung nach dem Oberwiggertaler das zweitgrösste Anzeigeblatt im Kanton Luzern - in ihrem vergrösserten Format erregte Aufsehen.

In ihrer achtseitigen Erstausgabe kündigte Redaktor Hans Schnarwiler seine politisch neutrale Haltung an: «Wir mengen uns nicht in parteipolitische Scharmützel und Kämpfe, wir geben keine Sympathiekundgebungen ab an diese oder jene Siegerpartei. Wenn es im Blätterwalde rast und tobt, soll unser Blatt in friedlicher Ruhe erzählen, nicht politisieren», schrieb Schnarwiler im Vorwort und versprach, allen etwas bieten zu wollen: «Dem Manne soll sie die Neuigkeiten aus aller Welt bringen, der Frau ein Geschichtlein erzählen und den Kindern Bilder zeigen.»

Die Redaktionsstube der Sempacher Zeitung um 1927 im Korporationsgebäude in Sempach. Redaktor Hans Schnarwiler (Mitte) baute kurze Zeit darauf die heute noch bestehende Druckerei in Sempach Station. Foto Stadtarchiv Sempach

Umfassende Zeitung mit zwei Beilagen
Die Zeitung war bereits damals sehr umfassend und trug im Kopfteil die Unterbezeichnung «Anzeigeblatt für Sempach, Neuenkirch, Rain, Hildisrieden, Eich, Nottwil und die Umgebung». Berichtet wurde aber wöchentlich (jeweils am Samstag) nicht nur aus der Region, sondern auch aus aller Welt und aus Bund und Kanton. Zudem enthielt sie stets einen Leitartikel, ein Feuilleton mit einer Geschichte sowie die kirchlichen Nachrichten. Weitere Rubriken waren «Aus Landwirtschaft, Industrie und Gewerbe, Zur Lehr und Wehr» und «Vermischtes» mit lustigen Dialogen, Humor und Leserbriefen. Finanziert wurde sie vor allem mittels Inseraten und mit einem jährlichen Abobeitrag von fünf Franken.

In diesem Betrag enthalten waren zwei periodisch erscheinende illustrierte und belletristische Beilagen: «Das Schweizerhaus» und «Aus Nah und Fern», welche die «neusten Ereignisse aus der grossen und kleinen Welt zur Schau tragen und dem Herzen und dem Gemüte etwas zu bieten imstande sein sollen». Die beiden Beilagen erschienen bis 1930 respektive 1937.

Vorbei wars mit der politischen Neutralität
Im Oktober 1929 bezog Hans Schnarwiler sein neu gebautes Druckereigebäude an der Sempachstrasse in Sempach Station. Neben der Sempacher Zeitung wurde in der Druckerei Schnarwiler auch noch der katholische Volksbote, der vor allem auf das Amt Luzern ausgerichtet war, gedruckt. Der Volksbote und die Sempacher Zeitung hatten den gleichen überregionalen Teil. Wie Max Huber in seinem Buch «Geschichte der politischen Presse im Kanton Luzern von 1914 bis 1945» feststellte, war die Druckerei Schnarwiler die erste Druckerei, die eine Pressekonzentration im Sinne eines Zusammenlegens verschiedener Blätter vornahm. Wahrscheinlich führte dieser wirtschaftliche Zwang auch zum politischen Kurswechsel, denn bereits 1929 wars vorbei mit der neutralen Haltung. «Die Sempacher Zeitung ist ein schönes katholisches Lokalblatt geworden», beurteilte der Redaktor Hans Schnarwiler in der Sondernummer zur neu bezogenen Druckerei.

1930 stirbt der Gründer der Sempacher Zeitung im Alter von erst 30 Jahren. Während seine Frau Anna Schnarwiler die Druckerei weiterführte, übernahm eine Redaktionskommission die Herstellung der Zeitung. Seit 1938 sass darin federführend Pfarrer Siegfried Emmenegger. Buchautor Max Huber stellte fest, dass durch den Eintritt Emmeneggers in der Redaktion der Stil der Zeitung verstärkt katholisch-konservativ wurde.

Später wurden Druckerei und Zeitung von den Söhnen von Hans Schnarwiler betreut. 1984 verkaufte Willy Schnarwiler die Druckerei und die Sempacher Zeitung an die beiden Verleger Ernst Wallimann aus Beromünster und Adolf Meyer, Ruswil. Dies war gleichzeitig die Gründung der Firma WM Druck Sempacher Zeitung AG.

Weitsichtige Entscheidungen
Weder die Krisenjahre der 30er-Jahre noch der Zweite Weltkrieg konnten das wöchentliche Erscheinen der Sempacher Zeitung ernsthaft gefährden. Aber auch dem Konkurrenztitel «Echo vom Sempachersee», der ab dem 18. Dezember 1929 bis Ende 1966 als Kopfblatt des Willisauer Volksblattes zweimal wöchentlich erschien, mochte die Sempacher Zeitung paroli bieten. Grund für das Weiterbestehen der Sempacher Zeitung waren immer wieder weitsichtige Entscheidungen. So trat die Sempacher Zeitung 1985 der Inserate-Kombination Luzerner Landzeitungen bei. Diese wurde 1962 mit dem Ziel einer verlegerischen Zusammenarbeit innerhalb der Lokalzeitungen gegründet.

Die Luzerner Landzeitungen haben bis heute Bestand, neben der Sempacher Woche gehören die Surseer Woche, der Anzeiger vom Rottal, der Anzeiger Michelsamt, der Entlebucher Anzeiger, der Seetaler Bote, die Region und die Trienger Woche zu dieser Inserate-Kombination.

Von der Sempacher Zeitung zur Sempacher Woche
Ein weiterer wichtiger Schritt in der Geschichte der Sempacher Zeitung leitete Verleger und damaliger Redaktionsleiter Otto Schmid 1995 in die Wege. Wie bereits Hans Schnarwiler in den Zwanzigerjahren mit dem Volksboten, ging Otto Schmid eine redaktionelle Zusammenarbeit mit der 1992 gegründeten Surseer Woche ein. Seit dem 1. Oktober 1995 erscheint die Sempacher Woche - finanziell und redaktionell zwar nach wie vor absolut eigenständig - als Kopfblatt der Surseer Woche. Die Folge dieser Zusammenarbeit war nicht nur der Wechsel des Titels Sempacher Zeitung zu Sempacher Woche, sondern auch ein neues Layout sowie der wesentlich ausgebaute redaktionelle Inhalt sowie der Inserateteil. Nur so ist es möglich, dass die Sempacher Woche - die Wochenzeitung für die Region am oberen Sempachersee - auch nach über 85 Jahren gesund und stark in die Zukunft blicken darf.

Marcel Schmid, Redaktionsleiter der Sempacher Woche von Januar 2000 bis Januar 2012


Quellenangabe: Jahrbücher des Anzeiger für Sempach, Neuenkirch und Umgebung sowie der Sempacher Zeitung. Verträge und Unterlagen aus dem Stadtarchiv Sempach. Luzerner Historische Veröffentlichungen, Band 25: Geschichte der politischen Presse im Kanton Luzern von 1914 bis 1945, Max Huber. Festschrift: 70 Jahre Lokalzeitung in Sempach, 1910 bis 1980.

Eckdaten in der Zeitungsgeschichte

24. Dezember 1910: Erste Ausgabe des Anzeiger für Sempach, Neuenkirch und Umgebung. Erscheinungsweise wöchentlich, jeweils am Samstag. Jährlicher Abopreis: Fr. 1.50.

24. April 1922: Aufgrund finanzieller Probleme übergibt der Gewerbeverein die Führung des Anzeigers an ein Initiativ-Komitee.

1. August 1924: Hans Schnarwiler eröffnet in Sempach Stadt eine Druckerei.

5. Dezember 1925: Die erste Ausgabe der Sempacher Zeitung erscheint unter der Redaktion von Hans Schnarwiler.

26. Dezember 1925: Letzte Ausgabe des Anzeiger für Sempach, Neuenkirch und Umgebung.

6. Juli 1929: Erstmals erscheint als Beilage die «Fest-Nummer zur Schlachtfeier 1929».

15. Oktober 1929: Die Druckerei Schnarwiler bezieht an der Sempachstrasse in Sempach Station ihr neues Druckereigebäude.

1984: Verkauf der Druckerei inklusive Sempacher Zeitung an Ernst Wallimann und Adolf Meyer. Gründung der WM Druck Sempacher Zeitung AG.

1985: Beitritt zur Inseratekombination Luzerner Landzeitungen.

1. Oktober 1995: Zusammenarbeit mit der Surseer Woche.

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